Den Favoriten entzaubert

Yannik Schopp mit viel Zug zum Tor / Foto: P. Gebhardt

 

SG H2Ku Herrenberg ringt mit einer leidenschaftlichen Leistung den TSV Neuhausen/Filder nieder

 

Die Oberligamänner der SG H2Ku Herrenberg haben die Überraschung geschafft. Das Team von Trainer Fabian Gerstlauer besiegte durch eine enorme Leistungssteigerung nach der Pause den bisherigen Tabellenzweiten TSV Neuhausen/Filder mit 29:25 (13:17). Als Matchwinner avancierte dabei Torhüter Marvin Heinz, der in Halbzeit zwei sein Gehäuse schier vernagelte.

 

Alexander Zürn als Hellseher? Als der Rechtsaußen der SG H2Ku neunzig Minuten vor dem Anpfiff die Markweghalle betrat, klemmte eine Schrifttafel mit der Aufschrift „Mit dem Sieg gegen Neuhausen stehen wir über den Strich“ unter seinem Arm. Mit dem Strich war Platz zehn gemeint, der den sicheren Klassenerhalt bedeuten würde und den die Mannschaft nach dem Spiel dann auch tatsächlich erklimmen konnte. Coach Fabian Gerstlauer klärte später auf, dass Alex Zürn zu jeder Partie einen solchen Motivationsspruch präsentiert. Danach, dass die hoffnungsvolle Botschaft auch eingelöst werden könnte, sah es allerdings lange Zeit nicht aus.

 

Die Gäste von den Fildern zeigten eine Halbzeit lang, warum sie um den Aufstieg in Liga drei mitspielen. Von Beginn an trat das Team von Trainer Markus Locher auch ohne ihren Denker und Lenker Timo Durst äußerst abgezockt auf und hielt die Hausherren zunächst auf Distanz. Das lag vor allem auch daran, dass die Abwehr der Gäste das Angriffsspiel der Herrenberger effektiv ausbremsen konnte. Und wenn die Bälle doch den Weg durch die Defensive fanden, stand ein Magnus Becker im Tor des TSV Neuhausen, der das Duell gegen seinen Gegenüber Marvin Heinz zunächst für sich gestalten konnte.

Über die Stationen 4:6 nach zehn Minuten und 6:9 nach einer Viertelstunde konnte sich die SG H2Ku zwar wie beim 9:10 nach zwanzig Minuten immer herankämpfen, die Gelegenheit zur Wende wurde aber stets vertan. Die Tempogegenstöße des Tabellenzweiten waren einfach zu eiskalt vorgetragen. Das 13:17 zum Pausenpfiff war dann auch ein reales Spiegelbild des Geschehens auf der Platte.

 

Der zweite Abschnitt sollte dann eine Herrenberger Mannschaft sehen, die nun mehr Biss und Bewegung in Abwehr und Angriff brachte. Die Pausen, die sich Sandro Münch auf der Spielmacherposition bekam, wurden durch Yannik Schopp lückenlos ausgefüllt. Dies sehr zur Freude seines Trainers, der dem quirligen Akteur nach Spielende ein „sehr diszipliniertes und kontrolliertes Spiel“ bescheinigte. Trotzdem dauerte es noch einige Zeit, bis sich das verbesserte Spiel der Hausherren auch im Ergebnis niederschlug. Die SG H2Ku brachte sich immer wieder in Stellung, um dann doch die Zügel aus der Hand zu geben.

Eine Viertelstunde vor Schluss war es dann aber soweit. Beim 21:21 war erstmals der Gleichstand erzielt. Zu dieser Zeit war ein Akteur der Gastgeber aber schon längst auf Höchsttemperatur. Keeper Marvin Heinz war in der zweiten Hälfte kaum zu überwinden und ebnete so den Weg zu einer grandiosen Vorstellung des gesamten Abwehrverbundes. Ganze acht Treffer brachte der TSV Neuhausen, der mit der Empfehlung der besten Offensive der Liga angereist war, nach der Pause noch im Tor der Gastgeber unter. Und nun stand auch die Halle Kopf. Apropos Halle: Trotz der verschärften Einlasskriterien wegen der Ausbreitung des Corona-Virus ließen sich das Spiel immerhin knapp 400 Zuschauer nicht entgehen. Und diese sahen in der Schlussviertelstunde einen Gastgeber, der dem Favoriten nun keinen Zentimeter Hallenboden mehr schenkte. Die zuvor so ausgebufften Gäste bekamen laut Gäste-Coach Locher in weiten Teilen der zweiten Halbzeit „0,0 Prozent“ der Vorgaben auf das Parkett.

 

So spielten sich die Herrenberger schließlich in einen, zumindest kleinen, Rausch. Der 5:0- Lauf mit sieben torlosen Minuten des TSV Neuhausen kurz vor Ende ließ dann alle Dämme brechen. Letztlich konnten sich zehn Feldspieler der Gastgeber in die Torschützenliste eintragen. Auch ein Beleg dafür, dass der Sieg von Fabian Gerstlauer nach Spielschluss als „Sieg des Kollektivs“ eingestuft wurde.

 

 

 

-pg-

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