Der Kapitän humpelt voran

Unbändige Freude bei den Gastgebern nach dem Erfolg gegen Steißlingen / Foto: P. Gebhardt

 

Die SG H2Ku besticht beim Sieg gegen Steißlingen mit einer kämpferisch überragenden Vorstellung

 

Mit einem am Ende etwas glücklichen 29:27 (11:14) gegen den abstiegsbedrohten TuS Steißlingen haben die Oberligamänner der SG H2Ku Herrenberg einen entscheidenden Schritt Richtung Klassenerhalt vollziehen können. Allerdings machte das Verletzungspech auch in dieser Partie keinen Halt vor den Gastgebern. Erneut verletzte sich mit Christian Rau ein wichtiger Akteur.

 

„Verrückt. Einfach nur verrückt“. Alexander Job kommt dieser Tage aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, wenn es um die laufende Saison in der Oberliga Baden-Württemberg geht. Der Trainer der Herrenberger bezieht seinen Stoßseufzer beileibe nicht nur auf die gestrige hochdramatische Partie. Auch die Tabellenkonstellation lässt noch einige Unwägbarkeiten zu. Auch wenn die theoretischen Möglichkeiten eines Abstiegs in die Württembergliga für die SG H2Ku wohl nur noch im Promillebereich liegen, sind diese durchaus noch vorhanden. So spielt in der Oststaffel der dritten Liga mit dem TV Großsachsen noch ein weiterer Verein aus Baden-Württemberg, der auf dem Papier noch nicht gerettet ist.

Zur Verdeutlichung der Lage: Nur vier, fünf Pünktchen mehr und die Job-Sieben stünde mitten im Aufstiegskampf in Liga Drei.

 

Im Vorfeld war beiden Teams die Wichtigkeit der Partie also deutlich bewusst. Und genau dies sah man sowohl den Hausherren als auch den Gästen aus dem Hegau an. Auch wenn der TuS Steißlingen von Beginn an das Tempo extrem hoch hielt und immer wieder den schnellen Abschluss suchte, hielt sich die Torausbeute beider Teams in Grenzen. Auch deshalb, weil sich die Gastgeber von der Geschwindigkeit des TuS, die fast schon in Hektik mündete, ebenso anstecken ließ. Die Folge war vor allem im ersten Abschnitt frappierend. Viele Ballgewinne in einer eigentlich gut funktionierenden SG- Abwehr wurden im Vorwärtsgang leichtfertig wieder vergeben.

So war der erste Treffer nach erst über fünf Minuten so etwas wie ein Sinnbild des ersten Durchgangs mit vielen vergebenen Möglichkeiten.

 

Die abstiegsgefährdeten Gäste hingegen mussten ab der achten Minute (3:3) keinem Rückstand mehr hinterherlaufen. Die letzten zehn Minuten in Halbzeit eins bestimmte dann Steißlingen dann nach dem 7:7 sogar klar. Zu diesem Zeitpunkt wirkte aber mit Christian Rau der Halbrechte auf Seiten der SG H2Ku schon längst nicht mehr mit. Nach einem Zweikampf schied Rau mit einer Adduktorenverletzung aus.

Die letzten Szenen vor dem Seitenwechsel sollten aber noch mehr an Adrenalinstößen bereithalten. Erst musste mit Christian Dürner der nächste Akteur mit einer Verletzung vom Parkett, dann zückten die beiden Unparteiischen nach einem Foul von Finn Böhm für alle überraschend den roten Karton. So waren zum Pausenpfiff zwar noch nicht alle Messen gelesen, eine Vorentscheidung schien das 11:14 für die Gäste aber zumindest einzuläuten.

Und damit war der Gastgeber sogar noch gut bedient. Allein vier Strafwürfe konnte Marvin Hein für die SG H2Ku bis dahin vereiteln. Am Ende waren es derer sogar fünf. Auch Gästecoach Jonathan Stich haderte nach der Partie: „Wir hätten mit sieben oder acht Toren Vorsprung in die Pause gehen müssen“. Widersprechen konnte ihm dabei niemand.

 

Der Start in den zweiten Durchgang verhieß erst einmal weiterhin nichts Gutes für den Gäuclub. Nach 35 Minuten hatte der TuS auf vier Tore vor gestellt (18:14) und sah schon jetzt wie der Sieger aus.

Dass es noch einmal anders kam, lag auch am Kapitän der SG. Die medizinische Abteilung hatte Chris Dürner soweit wieder hergestellt, dass dieser grünes Licht geben konnte. Und auch wenn sich der Routinier fortan des öfteren nur noch humpelnd über das Parkett bewegen konnte, nahm Dürner in der Offensive das Heft des Handelns wieder in die Hand.

 

Den Strafwurf zum 15:18 übernahm der Spielmacher gleich selbst und läutete damit die Aufholjagd der SG H2Ku ein. Max Fuhrmann und Janne Böhm wechselten sich fortan auf der rechten und linken Rückraumposition ab und konnten beide vor allem auf halblinks überzeugen. Und nun klappte auch das Spiel über den Kreis. „Gegen die offensive 6:0- Abwehr wollten wir Sascha Marquardt ins Spiel bringen. Das ist uns vor allem im zweiten Abschnitt gut gelungen“, freute sich auch Alex Job nach dem Schlusspfiff.

 

Der TuS Steißlingen hingegen wurde etwas zum Opfer der eigenen Taktik. Ihm gelang es nicht, schon bei der komfortablen Führung mehr Ruhe in das eigene Spiel zu bringen. So ging es über ein 18:20 und 25:25 zum Showdown der letzten Minuten.

 

Es war der Zeitpunkt, an dem beide Teams schon längst die letzten Kraftreserven angegriffen hatten. Beim Stande von 27:27 vier Minuten vor dem Abpfiff schickten die Schiedsrichter den Steißlinger Marvin Storz zum Entsetzen für Gästecoach Stich für zwei Minuten auf die Bank. Die SG H2Ku ließ sich durch die Überzahl nicht zweimal bitten und traf doppelt zum 29:27. Die Entscheidung. Die offene Manndeckung brachte letztlich nichts mehr für die Gäste ein, auch wenn die Hausherren gleich drei Chancen nicht nutzen konnten.

 

Auf der abschließenden Pressekonferenz zollten dann beide Trainer ihren Mannschaften ein großes Lob. Dies galt am gestrigen Abend vor allem für einen großen Kampf von beiden Teams.

 

Bilder zum Spiel gibt es auf der Facebookseite.

 

 

-pg-

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