Viel mehr als nur Geld gesammelt

Crowdfunding-Aktion der SG H2Ku Herrenberg erweist sich nicht nur wegen der eingespielten Summe von fast 35 000 Euro als großer Erfolg

 

 

Es war eindeutig ein Siegerfoto, welches am Montag nach dem Abschluss des Crowdfunding-Projektes auf dem Gelände des Haslacher Sportplatzes geschossen wurde. Dort hatten sich mehrere gutgelaunte Organisatoren, mit den Oberligaspielern Alexander Zürn und Nicolas Rhotert an der Spitze, noch einmal getroffen, um stolz die Endsumme von exakt 34 814 Euro zu präsentieren.

 

Was nun am Abend des 27. Juli von großer Zufriedenheit zeugte, war vor vier Wochen noch von viel Optimismus, aber auch etwas Ungewissheit geprägt. Ende Juni war der Startschuss zu der ehrgeizigen Aktion erfolgt, geraume Zeit zuvor schon liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Denn das Crowdfunding bedeutete nicht nur Spenden sammeln, sondern auch für jede Spende praktisch eine Prämie im materiellen oder auch immateriellen Gegenwert zu präsentieren. „Wir haben viele Sponsoren und Händler in Herrenberg und Umgebung für unser Projekt gewinnen können“, erklärt Nicolas Rhotert. „Der andere Weg führte in die Mannschaften der SG H2Ku. Dort wurden dann im Kreis der Aktiven viele Ideen zusammengetragen“, ergänzt Alexander Zürn. Beide standen mit ihren Bemühungen natürlich nicht allein. Eine Gruppe von zwölf Personen, zusammengesetzt aus Aktiven der Mannschaften und Funktionären, umfasste der Kreis der unmittelbaren Helfer. Der Kern von fünf Organisatoren hatte seit Projektbeginn praktisch täglichen Kontakt.

 

Und so waren alle Beteiligen auch zuversichtlich, die Aktion zum Erfolg führen zu können. Immerhin fast einhundert Prämien standen bereit, weitere sollten folgen. „Was uns optimistisch gestimmt hat, waren vor allem die Prämien, die wir anbieten konnten“, so Alexander Zürn. Angefangen von Gutscheinen vieler Gewerbetreibender über signierte Trikots von Handballstars bis hin zu Aktionen der Mannschaften und deren Trainer, die es normal nicht zu kaufen gibt, reichte das Angebot.

Was dann aber an jenem 29.Juni zum Start des Crowdfunding passierte, überraschte selbst die kühnsten Optimisten. 10 000 Euro waren schon am ersten Tag auf das Konto der Plattform Fairplaid geflossen. „Im Nachhinein kann man wohl sagen, dass wir vieles richtig gemacht haben“, so ein zufriedener Jan Rhotert. Der Vorstandssprecher der SG H2Ku Herrenberg meinte damit sicher auch die Höhe der Crowdfunding-Summe, die im Vorfeld angesetzt wurde. Denn sieht man sich die Projekte anderer Vereine an, stellt man schnell fest, dass diese meist mit einer kleineren Summe an den Start gingen. H2Ku-Torhüter Nicolas Rhotert erklärt die Risikobereitschaft so: „Erfahrungsgemäß wird die Motivation zum Prämienkauf nach dem Erreichen der Zielsumme geringer. So aber halten wir die Spannung hoch“. Klar war aber auch, dass beim Nichterreichen der veranschlagten 30 000 Euro kein Cent geflossen wäre - System Crowdfunding eben.

 

Dass sich die Ergebnisse dieses extrem guten Starts nicht über die kompletten vier Wochen fortsetzen würden, war indes allen Beteiligten klar. Grund für blinden Aktionismus gab es deshalb auch nicht, als es in der zweiten Woche weit ruhiger auf der Plattform des Anbieters Fairplaid zuging. Für Jan Rhotert war es weit wichtiger, im Hintergrund noch genügend Asse im Ärmel zu haben. „Wir hatten immer einen Plan“, nannte er einen der Erfolgsgaranten. In der Praxis sah das dann so aus, dass auch im Laufe des Projekts immer wieder neue Prämien angeboten werden konnten. Ein besonderes Phänomen zeigte sich dann vor allem in den letzten beiden Wochen. Nicht nur auf Anfragen reagierten Firmen und Gewerbetreibende, immer öfter trafen auch Angebote von außen zur Unterstützung ein. Zum Beispiel von Daniel Rebmann. Der frühere H2Ku-Torwart, inzwischen einer der besten seines Fachs in ganz Deutschland, erfuhr von der Aktion, setzte sich mit dem Crowdfunding-Team in Verbindung und stellte spontan sein Trikot mit den Unterschriften der Spieler seines jetzigen Vereins FrischAuf! Göppingen zur Verfügung. Ähnlich stellte sich die Sache mit einem ganz speziellen Handball dar. Der originale Ball vom entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die 2. Handball-Bundesliga der Männer vor genau zehn Jahren galt seit jener Zeit als verschollen. Über Umwege tauchte dieser als echt verbürgte Ball jetzt wieder auf und bereicherte so das ohnehin schon attraktive Prämienangebot.

 

So dauerte es dann auch nur etwas über zwei Wochen, bis die Zielsumme von 30 000 Euro erreicht wurde. Für das Team hinter den Kulissen war dieser Erfolg aber noch nicht der Endpunkt. Auch wenn es nun, wie vorausgesagt, deutlich zäher voranging, die Motivation litt nicht darunter. Im Gegenteil. „Wir steckten uns intern immer wieder neue kleine Ziele“, so der Herrenberger Rechtsaußen Alexander Zürn. Tägliche Posts in den sozialen Medien, Videokonferenzen und persönliche Meetings zahlten sich letztendlich aus. Mit fast 35 000 Euro ging das Crowdfunding am Montag um 20 Uhr über die Ziellinie.

 

Diese vier Wochen haben aber nicht nur finanzielle Fußabdrücke hinterlassen. „Wir haben so viele positive Rückmeldungen von außen erhalten, dass es sich allein dafür gelohnt hätte“, so Nicolas Rhotert. Alexander Zürn verwies derweil noch auf einen anderen Aspekt: „Wir sind auch als Verein noch mehr zusammengewachsen. Jede Mannschaft, jeder Trainer und Funktionär hat sich von Anfang an mit der Aktion identifiziert und dies auch nach außen vermittelt.“

 

Beide Organisatoren und auch ihre Mitstreiter sind natürlich trotzdem ein wenig froh, dass nun etwas Ruhe einkehrt - allerdings nur für kurze Zeit. Noch gut zwei Wochen wird es noch dauern, bis alle Prämien zugeordnet sind, bevor es dann noch einmal rund geht. Dann dürfen sich alle Unterstützer auf ihre Prämien freuen. Und so ganz nebenbei warten auf beide auch noch berufliche und handballerische Verpflichtungen.

 

 

Hintergrund Crowdfunding-Aktion der SG H2Ku Herrenberg

Um die finanziellen Folgen der Coronavirus-Pandemie abzufedern initiierten die Oberligaspieler Nicolas Rhotert und Alexander Zürn ein Crowdfunding. Dies bedeutet frei übersetzt Gruppenfinanzierung. Unterstützer zahlen Geld an die Crowdfunding-Plattform und bekommen im Gegenzug Prämien in materieller oder immaterieller Form. Dies waren in diesem Falle zum Beispiel Gutscheine im Wert zwischen meist 10 und 100 Euro von Firmen, signierte Trikots von Sportlern oder ähnliches. Dazu kamen Angebote der Mannschaften wie Einblicke hinter die Kulissen, persönliches Training mit einzelnen Spielern oder auch die Teilnahme am Mannschaftstraining.

Die SG H2Ku ging am 29. Juni mit einer Zielsumme von 30 000 Euro an den Start. Beim Nichterreichen der Zielsumme hätte die Aktion als gescheitert gegolten, alle bisherigen Unterstützer hätten ihr eingezahltes Geld zurückerhalten. Dies ist ein Grundsatz des Crowdfunding. Die Aktion endete am 27. Juli um 20 Uhr mit einer Summe von 34 814 Euro.

Die eingespielte Summe kommt nach Abzug der Steuern dem kompletten Verein und allen Mannschaften zugute.

 

 

-pg-

Männer
Werden Sie Pate im Oberligateam der Männer
Top-Sponsoren
Ausrüster