Wenn der eigene Kreis zur Partyzone wird

Nicht immer zeigte sich die Abwehr so aufmerksam wie hier gegen Patrick Lebherz / Foto: P. Gebhardt

 

SG H2Ku unterlag im letzten Spiel des Jahres dem TV Weilstetten und verpasst den Sprung auf einem Aufstiegsplatz

 

Mit einem ernüchternden 35:36 (17:16) gegen den TV Weilstetten beendet die SG H2Ku Herrenberg das Handballjahr 2017. Die Niederlage ließ das Job-Team auf den fünften Tabellenplatz abrutschen. Der Rückstand auf einen Aufstiegsplatz beträgt dennoch lediglich einen Punkt.

 

Handballspiele werden oft im Kopf entschieden. Wenn dann noch zwei gleichwertige Teams gegeneinander antreten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dieser These noch einmal beträchtlich. Und so war gestern der TV Weilstetten bei seinem Auftritt in der Markweghalle am Ende wohl auch deshalb der verdiente Sieger, weil das Team von der Alb letztlich cleverer und gedanklich schneller war. Ein Umstand, den auch Alexander Job nach Spielschluss zu schaffen machte. „Die jüngere Mannschaft gewinnt gegen die vermeintlich erfahrene“, so der SG- Coach.

 

Den ersten Nackenschlag musste der Gastgeber dabei schon vor dem Anpfiff verkraften. Neben dem bekannten Ausfall von Marvin Seeger musste die SG H2Ku auch noch auf Christian Rau verzichten. Der Halbrechte verletzte sich am Donnerstag im Bereich der Adduktoren und signalisierte schon beim Aufwärmen, dass an einen Einsatz im Spiel nicht zu denken sei.

 

Die Hausherren ließen aber auch ohne Rau und Seeger zunächst vor der stimmungsvollen Kulisse mit über 600 Zuschauern nichts anbrennen. Zwar nahm Alexander Job schon beim eigenen 4:3 die erste Auszeit, die SG war zu diesem Zeitpunkt aber noch stets einen Tick im Vorteil. Die Gäste blieben in dieser Phase fast nur mit den Toren des quirligen Patrick Lebherz auf Schlagdistanz. Beim 5:5 erzielte Weilstetten durch Fabian Mayer, der sich Sascha Marquardt rassige Duelle lieferte, aber erst einmal den Ausgleich. Als das Gäuteam dann vom 7:6 auf 11:6 nach 18 Minuten enteilen konnte, war dies aber für das Trainerduo Schuldt/Wismar dann doch zu viel. Mit einer Auszeit unterbrach der TVW die Erfolgsphase der SG. Und dies nachhaltig. Nach dem Motto wie gewonnen, so zerronnen, schaffte es die SG H2Ku innerhalb von drei Minuten, ihren Vorsprung vom 12:7 hin zum 12:12 zu verspielen.

Bezeichnend dabei, dass die Gäste drei Treffer in das verwaiste Tor der Gastgeber versenkten. Vorausgegangen waren im Angriff Aktionen, die leichtfertig vergeben wurden oder auch riskante Anspiele, die nicht beim Mitspieler ankamen. Gerade hier hätte sich Alexander Job mehr Cleverness seiner Schützlinge gewünscht. Bis zum Pausenstand entwickelte sich ab diesem Zeitpunkt ein Spiel zweier absolut gleichwertiger Teams. Dass der Pausenstand von 17:16 für die SG H2Ku rein gar keine Tendenz darstellen würde, war indes allen Beteiligten klar.

 

Nach dem Pausentee änderte sich am Torverlauf zunächst wenig. Die Job-Sieben legte vor, der TV Weilstetten antwortete prompt. Der Spielverlauf hingegen zeigte sich taktisch nun in eine etwas andere Richtung ausgeprägt. Zwar gelangen den Gästen weiterhin auch Treffer aus dem Rückraum, die offensive Abwehr der Hausherren wurde aber nun auch immer öfter über den Kreis ausgehebelt.

 

Einen echten Kulminationspunkt erlebte die auf hohem Tempo stehende Partie dann nach etwas mehr als 35 Minuten. Cornelius Maas ließ sich offensichtlich zu einem Revanchefoul hinreißen und erhielt dafür den roten Karton der beiden Unparteiischen. Warum der Treffer unmittelbar danach von Dominic Rose zum 21:21 nicht gegeben wurde, obwohl das Spiel zu diesem Zeitpunkt noch nicht unterbrochen war, konnte aber nicht abschließend geklärt werden. Auch die Erklärung der Referees nach Spielende, die dies mit einem Stürmerfoul von Cornelius Maas begründeten, ließ einige Fragen offen.

 

Klar war aber, da die Personaldecke nun noch einmal mehr ausgedünnt war, dass ein Erfolg gegen die äußerst homogen auftretenden Gäste mehr als schwer fallen würde. So nahm das Unheil scheinbar schnell seinen Lauf. Mit dem 22:26 in der 42. Minute schien die Moral der SG H2Ku schon früh gebrochen. Was gestern möglich gewesen wäre, zeigten aber die folgenden Minuten . Innerhalb von sechs Zeigerumdrehungen ging der Gäuclub mit 28:27 in Führung, ein Produkt der aufmerksamen Abwehr und eine jetzt konsequenteren Chancenverwertung. Besonders Max Fuhrmann, der nun auf der halblinken Position agierte, übernahm immer mehr erfolgreich Verantwortung.

 

Das Problem war nur, dass die Uhr noch zwölf Minuten Spielzeit anzeigte. Die Fehlerquote nahm eine für den gestrigen Abend leider typische Größe wieder an. Besonders ärgerlich war für den Trainer die fehlende Disziplin seiner Mannschaft: „Klare Absprachen wurden nicht umgesetzt. Wenn sich jeder Akteur, auch die gestandenen, nur zwei bis drei Aussetzer leistet, ist ein Spiel auf diesem Niveau nicht zu gewinnen“, legte Alex Job den Finger nach Spielschluss in die Wunde.

 

So war es dann wenig verwunderlich, dass die SG erneut in Rückstand geriet. Über den Kreis kamen immer wieder die entscheidenden Anspiele an. Egal, ob ein oder zwei Kreisläufer, der TV Weilstetten konnte sich zeitweise wie in einer Partyzone vor Tobias Barthold im Tor der SG H2Ku tummeln. So war der wohl entscheidende Treffer zum 31:35 durch Felix Euchner nicht zufällig ein Erfolg über die Kreisposition.

 

Die Ergebniskosmetik am Ende zum Endresultat von 35:36 war erst einmal nur auf dem Papier von Belang. Trotzdem kann auch dieses letzte Aufbäumen noch von Bedeutung sein, wenn es zum Rückspiel im Januar nach Weilstetten geht, da in der Oberliga der direkte Vergleich über die Vergabe des Tabellenplatzes entscheidet. Gedankenspiele, an die Alexander Job aber keine Gedanken verschwendet. „Momentan müssen wir zuerst auf uns schauen und das eigene Leistungsvermögen abrufen“. Gelegenheit dazu hat das Team dann noch reichlich in der Rückrunde.

 

Bilder zum Spiel gibt es auf unserer Facebookseite.

 

 

 

-pg-

 

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