Zwei wichtige Baustellen geschlossen

Mit dem Vollzug der beiden Personalien Sascha Marquardt und Christian Rau sieht sich der Oberligist SG H2Ku Herrenberg für die kommende Saison gut aufgestellt

 

Auch in schwierigen Zeiten bewegt sich im Herrenberger Handball einiges - zumindest hinter den Kulissen. Mit der Verlängerung des Vertrages von Sascha Marquardt und der Reaktivierung von Christian Rau konnten fast zeitgleich zwei eminent wichtige Baustellen geschlossen werden.

 

Dass Sascha Marquardt in der Oberliga Baden-Württemberg einer der besten seiner Zunft ist, war schon länger klar. Im Sommer des vergangenen Jahres bekam er dies dann auch schwarz auf weiß bestätigt. Von den Teams der Liga wurde Marquardt als bester Kreisläufer der damals abgelaufenen Saison gewählt. Ein Umstand, der dem 24- jährigen zwar einerseits die Bestätigung seiner Leistung widerspiegelte, auf der anderen Seite aber seinen Verein in einige Nöte brachte. Begehrlichkeiten wurden geweckt, die das Eigengewächs der Herrenberger Spielgemeinschaft durchaus ins Grübeln kommen ließen. „Es gab mehrere Anfragen von Drittligavereinen“, gab Sascha Marquardt dann auch unumwunden zu. Und wenn auch keine Namen fielen: Legt man zugrunde, dass der Haslacher im Sindelfinger Daimler-Werk als Entwicklungstechniker einen mehr als soliden Arbeitsplatz besitzt, dürfte klar sein, dass die höherklassigen Interessenten im regionalen Umfeld zu suchen sind.

 

Umso mehr freuen sich Trainer und sportliche Leitung nun über die Vertragsverlängerung ihres herausragenden Spielers. „Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr ist Sascha ein Schlüsselspieler für unser Team“, stellt Fabian Gerstlauer klar. Wie wichtig, zeigte sich besonders in den letzten Spielen seit Marquardts verletzungsbedingtem Fehlen. Eine komplizierte Schulterverletzung setzt den 24- jährigen noch bis in den Sommer hinein außer Gefecht. Ein Umstand, der die Vertragsverlängerung auch zeitlich in die Länge zog. „Ich wollte mich erst um die nötige Operation kümmern können. Um diese Zeit habe ich die sportliche Leitung um Hansi Böhm gebeten.“ Dass dieser dem Wunsch nachkam, liegt auf der Hand: „Sascha ist sportlich und menschlich extrem wertvoll für uns. Zudem verkörpert er als Haslacher Eigengewächs genau unser Nachwuchskonzept“. Diesen Weg, durch gezielte Nachwuchsförderung eigene Talente an den Aktivenbereich heranzuführen, ist auch Sascha Marquardt gegangen. Wobei dies nicht ganz geradlinig verlief, was seine Spielposition betrifft. „Bis zur B-Jugend war ich noch im Rückraum unterwegs“, erinnert sich der inzwischen 24- jährige. Erst Tobias Klisch, inzwischen Trainer des Württemberligisten SG Schozach/Bottwartal, stellte Marquardt kurzerhand einmal an den Kreis. Dabei ist es bis heute geblieben. Zum Glück für die SG H2Ku Herrenberg, möchte man sagen.

 

Wie lange der Kreisspieler seine Gegenspieler noch im Trikot der Herrenberger austanzt, weiß auch der Spieler selbst ist. „Fakt ist“, so Marquardt, „daß ich nicht nur aus sportlichen Gesichtspunkten geblieben bin. Hier leben meine Freunde und meine Familie. Hier habe ich ein intaktes Umfeld“. Der Haslacher, der inzwischen mit Sandro Münch und Max Fuhrmann in einer WG wohnt, weiß aber auch, dass dies nicht alles ist. „Im Sport will man immer das höchstmögliche erreichen“, macht er keinen Hehl daraus, dass im kommenden Jahr die Karten sicher neu gemischt werden. „Natürlich“, so stellt Sascha Marquardt aber auch klar, „wäre mir die dritte Liga mit Herrenberg die liebste Option“.

 

Seine Hoffnungen auf eine starke kommende Runde ruhen dabei vor allem auf die zukünftigen Verstärkungen. Auch das war ein Grund für seine Vertragsverlängerung. „Wenn in der neuen Spielzeit alle gesund sind, haben wir mit den Zugängen Urs Bonhage und Christian Rau eine richtig gute Truppe zusammen“, prophezeit Sascha Marquardt.

 

Christian Rau? Nicht wenige werden bei diesem Namen sicher aufhorchen. Der Linkshänder hatte nach dem Ende der abgelaufenen Saison den Harztopf in die Ecke gestellt - eigentlich. Denn schon im Spätsommer juckte es den 27- jährigen so in den Fingern, daß er in der dritten Mannschaft der SG H2Ku auflief. Viel zu schade für einen Mann dieser Qualität, fanden dann auch recht schnell Trainer und sportliche Leitung der Oberligamannschaft. Und da gerade Not am Mann war, wurde noch Ende Oktober letzten Jahres im Gespräch über eine Aushilfsmöglichkeit für die folgenden Wochen nachgedacht. Und ja, Christian Rau ließ sich nicht lange bitten. „Natürlich wollte ich meinem Heimatverein helfen“, so Rau. Mitte November war die Rückholaktion aus der Bezirksklasse vier Ligen höher in die BWOL beschlossene Sache. Dumm nur, was danach kam: „Mittwochs war alles geregelt, am Samstag sollte das letzte Spiel für H2Ku 3 sein. Genau in dieser Partie aber gegen Reutlingen 2 brach ich mir das Jochbein“, hat der Halbrechte die damalige Szenerie noch leidvoll in Erinnerung. Was folgte, war ein Kontaktsportverbot bis Ende Februar 2020.

Dieses ist nun überstanden, Christian Rau griff seitdem wieder langsam ins Geschehen ein. Dies tat er augenscheinlich so gut, dass sich Spieler und sportliche Leitung über eine weitergehende Zusammenarbeit verständigten. „Ich will noch einmal angreifen“, verbreitet der gebürtige Haslacher schon jetzt Kampfeslust. Sein Comeback hat aber auch Begleitumstände, die ihm die Entscheidung etwas leichter machten. Zum einen hatte er zuletzt mit Jannis Mezger und in Zukunft mit Urs Bonhage zwei Mitspieler auf Halbrechts, mit denen er sich Spielzeiten aufteilen kann und wird. Er sollte damit aus der früheren Rolle als Alleinunterhalter raus sein. Zum anderen beginnt der Sozialpädagoge Rau in diesen Tagen eine Tätigkeit in der Sozialeinrichtung Waldhaus Hildrizhausen. In ähnlicher Funktion war er bis Februar in Bad Cannstatt beruflich engagiert. „Allein durch den Arbeitsplatzwechsel spare ich fast drei Stunden täglich“, rechnet Christian Rau vor.

 

Und die Verletzungen, die den Rückraumspieler unter anderem zum Rückzug im letzten Jahr bewogen? „Da werden wir ein Konzept ausarbeiten“. Sein Trainer Fabian Gerstlauer wird genauer: „Mit speziell abgestimmter Verletzungsprohylaxe, gepaart mit dosierten Einsatzzeiten, sollten wir die Problematik in den Griff bekommen“. Ansonsten weiß Gerstlauer natürlich genau, was er an seinem Spieler hat: „Ich freue mich riesig, dass es Chrissi noch einmal wissen will“, so der Coach. Und auch Tobias Barthold, neben Hansi Böhm sportlicher Leiter, schlägt in die gleiche Kerbe. „In einer guten körperlichen Verfassung ist er eine echte Waffe“, so der frühere Torwart anerkennend.

Mit beiden Personalien und etwas weniger Verletzungspech hofft die SG H2Ku dann auch auf eine weit erfolgreichere Saison als die jetzige abgebrochene. Wann auch immer diese dann starten wird.

 

 

-pg-

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